Der rote Turm

Dieser monumentale Bau ist eines der unvergleichlichen Beispiele seldschukischer Baukunst und gilt mit seiner schlichten Pracht und unverfälschten Struktur als Wahrzeichen Alanyas. Er wurde errichtet, um den Hafen unter ständiger Bewachung halten zu können. Der Turm steht auf felsigem Grund und hat einen Durchmesser von 29 Meter . Die Höhe des Turms beträgt 33 Meter , vom Erdgeschoß bis zu den Zinnen zwischen den Schießscharten. Er wurde nach einem Diagonalplan gebaut. Die Konstruktion wirkt von außen relativ flach und einfach. Für die Fertigstellung des oberen Turmteils wurden dunkelrote Ziegel verwendet, daher der Name Roter Turm. Wenn man die Zinnen auf der Höhe des Turms nicht dazurechnet, besteht der Bau auf fünf Etagen. Eine große Zisterne verbindet das Zentrum des Turms mit den oberen Stützpfeilern.

Der berühmte türkische Entdecker Evliya Celebi, der 1671 nach Alanya kam, beschreibt den Turm in seinem Reisebuch und stellt fest, dass er eine Aufnahmekapazität von 2000 Personen habe. Der Turm wurde rund um die Uhr von 40 Wachmännern unter dem Kommando eines Soldaten bewacht. Während des Turmbaus verwendete man geplündertes Material aus antiker Zeit.

Die Überreste antiker Säulen tragen besonders zum Reiz des Gebäudes bei. Die Schießscharten, Spähfenster und die schmalen Schlitze, aus denen Pech und kochendes Wasser auf die Feinde gegossen wurde, zeugen von der Wichtigkeit, die der funktionalen Seite des Turms beigemessen wurde. Das Erdgeschoss betritt man von der Westseite her durch ein wenig beeindruckendes, hohes und enges Tor, an der Stelle wo der Turm an die Hauptstadtwälle anschließt. Der achteckige Pfeiler in der Mitte ist von einem 3,5 Meter breiten Bogengang umgeben. Entlang dieses Ganges liegen Gewölberäume. Diese strahlenförmig auslaufenden Räume nehmen sieben Ecken des Achteckes ein, verengen sich zur Außenseite des Gebäudes und enden in einer engen, länglichen Schießscharte. Der achte Raum ist mit der Eingangstür verbunden und gewährt Zugang zum Turm. Von dieser Tür kann durch ein steinernes Treppenhaus die erste Etage erreicht werden.

Die Treppen sind nicht senkrecht; sie winden sich parallel zur Form des Gebäudes hinauf zum ersten Stock. Die kleinen Eckfenster, die man oben an den Gewölben des Mittelkorridors sehen kann, stellen eine Verbindungsmöglichkeit zur ersten Etage dar, in den Räumen des Erdgeschosses sind zur Zeit kostbare, für Alanya charakteristische, völkerkundliche Schaustücke ausgestellt. Der Grundriss des ersten Stockwerkes ist komplizierter. Die Zimmer sind viel kleiner und je zu zweit in einer Ecke angeordnet. In der Mitte sind zwei ineinander geschachtelte Gänge. Diese werden getrennt durch die achteckige eingefügte Hauptstadtmauer, in jedem der dadurch gebildeten Winkel ist ein überwölbter Raum. In der Nordwestecke dieser Etage ersetzt eine symmetrische Doppeltreppe die Öffnungen. Es gibt eine Tür nach außen, sie befindet sich zwischen dieser Doppeltreppe, die vom Turm zu den Schießscharten auf den Wällen führt. Im Mittelgang dieses Stockwerkes sind Öffnungen, die für eine Verbindung mit dem Stockwerk darüber und für Belüftung sorgen. Bevor man die Terrasse über die symmetrischen Treppen erreicht, kommt man zu einem weiteren überwölbten Absatz, enger als die erste Etage, der sich um die Innenseite des Turms windet; man kann dies eine aufgehängte Etage nennen. Hier gibt es Fenster, die sich zur ersten Etage hin öffnen.

Auch auf diesem Stockwerk waren Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden: überdeckte Öffnungen zum Herausgießen von Pech und kochendem Wasser wurden von dieser Höhe aus benutzt. Auch wurden Spähfenster zu Verteidigungszwecken installiert. Auf diesem schwebenden Stockwerk befindet sich der offene, von großen Räumen umgebene Terrassenhof. Auch diese Räume sind, wie in der ersten Etage, mit je zu zweit angeordneten Spähfenstern ausgestattet. Die Öffnung der großen Zisterne, die den Turm mit Wasser versorgte, nimmt die Mitte dieses obersten Stockwerkes ein. Diese Zisterne steht auf dem achteckigen Stützpfeiler, der das Zentrum des Turms bildet. Die von unten kommende doppelte Treppe stößt an der Nordwestseite des Daches an die Terrasse. Von der Terrassenetage erricht man wiederum über eine Doppeltreppe das fünfte Stockwerk, das sich über das gesamte Dach erstreckt. Die Terrasse hat an jeder Fassade drei Durchlässe zu Verteidigungszwecken. Die Öffnung in der Mitte hat die Form eines Spaltes. Kleine Treppen an der östlichen sowie an der westlichen Fassade führen zu den oberen Zinnen. Wir wissen, dass der Rote Turm im Jahre 1226 erbaut wurde.

Der Name des Baumeisters ist auf einer Innschrift, die an der Nordfassade des Gebäudes gefunden wurde, vermerkt. Die Tafel besagt, dass der Turm von Ebu Ali aus Aleppo erbaut wurde. Derselbe Meister baute auch die Festung von Sinop. Es gilt als sicher, dass er aus Syrien stammte. Die Seldschuken beschäftigten im Allgemeinen syrische Architekten und Meistermetze für den Bau Ihrer Festungen, Türme und Stadtwälle. Eine andere siebenzeilige, an der Südseite des Turms angebrachte Inschrift preist Sultan Alaeddin Keykubad und bezeichnet ihn als den Herrscher der Völker, den Sultan der Sultane, Verteidiger des Rechts, den Sultan der Lande, zweier Meere und den Beschützer der Moslems. Zwischen 1951 und 1953 wurde der Turm erfolgreich von türkischen Experten restauriert. Heute dient er als Museum für völkerkundliche Schätze, die den Charakter Alanyas zeigen. Wir glauben, dass der Turm, Wahrzeichen des bedeutenden seldukischen Stadt Alanya, mit der ausschließlichen Ausstellung seldschukischer Objekte seinen Zweck am besten erfüllt.

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Fam. Th. Massmann  | alanyaurlaub@yahoo.de

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